Aufforstung und Wasserretention in Marokko
Genau ein Jahr nachdem die ersten praktischen Renaturierungsarbeiten auf dem Gelände von Malin l’ghaba in Marokko begonnen haben, ist eine Gruppe aus Mitgliedern von MIYA forest e.V. und Freunden erneut dorthin zurückgekehrt.
Dieser Winter war der erste regenreiche Winter nach einer siebenjährigen Dürrephase. Die Landschaft ist dadurch sichtbar aufgeblüht. Das Flussbett des Oued Latash, das im letzten Jahr nur nach starken Regenfällen für wenige Stunden zu einem reißenden, schlammigen Fluss angeschwollen war, führte in diesem Winter durchgehend Wasser.
Die Ackerflächen im Tal waren bestellt und die silbrig-grauen Olivenbäume trugen frische, hellgrüne Triebspitzen. Das aufleuchtende Grün des Tals hat uns eine Vorstellung davon gegeben, wie sich diese Region dauerhaft entwickeln könnte.
Gleichzeitig wurde deutlich, wie stark die Landschaft bereits degradiert ist. Der ausgetrocknete und verhärtete Boden kann Wasser nur schwer aufnehmen. Regenwasser fließt oberflächlich ab, Erosionsrinnen graben sich immer tiefer in die Erde und fruchtbarer Oberboden wird weggespült.
In diesem Jahr war die unbefestigte Straße zum Projektgelände durch den Regen kaum passierbar. Einkäufe und Gepäck mussten daher mit Eseln etwa eine Stunde lang bis zum Grundstück von Malin l’ghaba transportiert werden – ein kleines Abenteuer und zugleich eine logistische Herausforderung.
Fast alle Pflanzen sind gut angewachsen

Dank der guten Pflege von Mounir haben über 90 % der im letzten Jahr gepflanzten Bäume den ersten heißen und trockenen Sommer überlebt. Besonders eindrucksvoll war die Entwicklung des Tiny Forest, der vor einem Jahr angelegt wurde. Einige der Setzlinge sind bereits über drei Meter hoch gewachsen und bilden unterschiedliche Vegetationsschichten. Schnell wachsende Akazien reichern den Boden mit Stickstoff an und schaffen bereits jetzt ein spürbar anderes Mikroklima.
Auch in der Krautschicht hat sich viel entwickelt. Durch die verbesserte Wasserversorgung und den eingearbeiteten Schafsmist sind zahlreiche Kräuter aufgegangen, sodass der Boden inzwischen fast vollständig bedeckt ist. Die entstandene Biomasse haben wir genutzt, um die Obstbäume zu mulchen und den Boden weiter zu schützen.

Diese Wasserretentionslandschaft soll hier zukünftig entstehen
Aufbau einer Baumschule

Bereits im letzten Jahr wurde deutlich, dass in den Baumschulen der Region vor allem fruchttragende Gehölze wie Zitrusbäume oder Oliven erhältlich sind, während viele heimische Baum- und Straucharten fehlen – etwa Wacholder, wilde Olive, Jujube oder andere typische Arten des Oued-Latash-Tals. Deshalb haben wir beschlossen, eine eigene Baumschule aufzubauen. Direkt unterhalb der im letzten Jahr angelegten Pflanzfläche konnten wir dieses Vorhaben nun umsetzen.
Mehr als 50 Air-Pruning-Beete wurden angelegt und mit Samen sowie Stecklingen bepflanzt, die wir vor Ort gesammelt haben – darunter Tamariske, Oleander, Mönchspfeffer, Christdorn und Rizinus. Zusätzlich konnten wir im Süden des Landes Saatgut von besonders trockenresistenten Arganbäumen sammeln.

Die zweite große Maßnahme dieser Projektphase ist der Bau von Gabionen im Flussbett. Diese Strukturen sorgen dafür, dass Sedimente, die von den Hängen abgeschwemmt werden, im Flussbett zurückgehalten werden. Hinter den Gabionen bildet sich ein Sedimentkegel, in den Wasser einsickern kann. Das Wasser wird dabei gefiltert und tritt zeitverzögert unterhalb der Struktur wieder aus – ähnlich wie bei einer Quelle.
Schon nach der Fertigstellung der ersten Gabione konnten wir diesen Effekt beobachten: Noch mehrere Tage nach einem Regenereignis floss unterhalb der Struktur ein kleines Rinnsal, während das Flussbett oberhalb bereits wieder trocken war. Unser Ziel ist es, ökologische Funktionen Schritt für Schritt wiederherzustellen.
Die Projektphase war geprägt von intensivem Austausch, gemeinsamer Arbeit und vielen inspirierenden Begegnungen.
Diese Arbeit wird ermöglicht durch die Förderung der Nord-Süd-Brücke sowie durch viele Spenden im Crowdfunding. Ein besonderer Dank geht an euch alle, die unsere Crowdfunding-Kampagne unterstützt haben!
Wie kann es weitergehen?
Langfristig möchten wir entlang des gesamten Landschaftsgradienten arbeiten – von den Hügelkuppen bis hinunter ins Tal.
Viele Nachbarn sind bereits daran interessiert, auf ihrem Land ebenfalls Bäume zu pflanzen, um ökologische Funktionen wie Beschattung, Verdunstungskühlung und Bodenschutz wiederherzustellen.
Ein entscheidender Faktor wird dabei ein gemeinsames Weidemanagement sein. Luftbilder und die zunehmenden Niederschläge zeigen, dass auf den terrassierten Berghängen bereits wieder Vegetation aufkommt – sie kann sich jedoch aufgrund der Beweidung oft nicht dauerhaft etablieren.
Malin l’ghaba entwickelt sich zunehmend zu einem Ort für Gemeinschaft, Lernen und Austausch. Ein Ort, an dem sich Menschen über ökologische Zusammenhänge, traditionelle Techniken, Wiederaufforstung und regenerative Landwirtschaft austauschen können – und an dem wir gemeinsam voneinander lernen.
Es ist ermutigend zu sehen, wie sowohl die ökologische Widerstandsfähigkeit der Landschaft als auch die Stärke der Gemeinschaft wachsen.
Hier ein kleiner Eindruck von Momenten und Klängen, die wir in Malin l’ghaba erlebt haben:
https://www.youtube.com/watch?v=a179DonR–Q
https://www.youtube.com/watch?v=QibxByeFURs
Danke für eure Unterstützung,
Malin l’ghaba und MIYA forest e.V.









