Tiny Forests im Fokus: Erste Forschungsergebnisse 2025

Wie verändern kleine, dicht bepflanzte Miniwälder unsere Städte – ökologisch und sozial? Dieser Frage geht unser aktuelles Tiny Forest Forschungsprojekt nach. Die Ergebnisse des ersten Projektjahres liefern spannende Einblicke in das Potenzial von TinyForests als Baustein nachhaltiger Stadtentwicklung.

Forschung im urbanen Raum – ein lebendiges Labor

Im Rahmen eines dreijährigen Forschungsprojekts werden zehn Tiny Forests in den Regionen Berlin-Brandenburg und Rhein-Main untersucht. Die Flächen – zwischen 200 und 800 m² groß und bis zu fünf Jahre alt – dienen als sozial-ökologische Labore. Neben klassischen wissenschaftlichen Methoden kommen auch Citizen-Science-Ansätze zum Einsatz, bei denen Bürger:innen aktiv Daten erheben.

Ziel ist es, die Wirkung dieser Miniwälder ganzheitlich zu verstehen: von Bodenprozessen über Biodiversität bis hin zu sozialen Effekten wie Gemeinschaftsbildung.

Ökologische Fortschritte bereits im ersten Jahr sichtbar

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Tiny Forests entwickeln sich schnell zu ökologisch wertvollen Flächen. Besonders auffällig sind die Veränderungen im Boden. Chemisch-physikalische Eigenschaften verbesserten sich an allen Standorten. Gleichzeitig konnte eine beeindruckende mikrobielle Vielfalt nachgewiesen werden – mit über 8.000 bakteriellen und 2.400 pilzlichen Einheiten.

Auch im Vergleich zu herkömmlichen Grünflächen schneiden die Tiny Forests gut ab. Bestimmte Pilzgruppen, die für Nährstoffkreisläufe wichtig sind, treten hier häufiger auf. Zudem zeigen die Wälder eine stabilisierende Wirkung auf die Bodentemperatur, wodurch für Pflanzen günstigere Bedingungen entstehen.

Im Bereich Biodiversität konnten durch Bürgerforschung 41 Artengruppen nachgewiesen werden, während Experten über 70 Arten identifizierten. Die Vielfalt wird dabei stark durch das umliegende Stadtumfeld beeinflusst – ein Hinweis darauf, wie wichtig die Integration solcher Flächen in bestehende urbane Strukturen ist.

Mikroklima und Klimaanpassung: Kleine Wälder, große Wirkung?

Auch wenn die Lufttemperatur innerhalb der Tiny Forests im Durchschnitt nur etwa 0,5 °C unter der Umgebung lag, zeigen sich dennoch wichtige mikroklimatische Effekte. Besonders die Pufferung von Bodentemperaturen und die Veränderung der Bodenfeuchte deuten auf ein Potenzial zur lokalen Klimaanpassung hin – ein zentraler Aspekt angesichts zunehmender Hitzeperioden in Städten.

Parallel dazu wurden erste Daten zur Kohlenstoffspeicherung und zum Baumwachstum erhoben. Die Wälder zeigen altersgerechte Wachstumsdynamiken, wobei sich Unterschiede zwischen verschiedenen Sukzessionstypen ab etwa dem vierten Jahr angleichen.

Soziale Wirkung: Mehr als nur Grünfläche

Neben den ökologischen Effekten untersuchen wir gezielt auch die soziale Dimension. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die partizipativen Bildungsangebote und Citizen-Science-Aktivitäten stärken die Naturverbundenheit und das Gefühl von Selbstwirksamkeit der Teilnehmenden deutlich.

Zudem zeigen die Daten ein hohes Maß an Gemeinschaftsbildung rund um die Tiny Forests. Die Flächen fungieren damit nicht nur als ökologische, sondern auch als soziale Infrastruktur – als Orte der Begegnung, Bildung und Teilhabe.

Fazit: Vielversprechender Start mit großem Potenzial

Nach dem ersten Jahr lässt sich festhalten: Tiny Forests sind mehr als ein urbaner Trend. Sie entwickeln sich schnell zu multifunktionalen Räumen, die ökologische, klimatische und soziale Vorteile vereinen.

Gleichzeitig ist es wichtig, die Ergebnisse in ihrem Kontext zu betrachten: Die untersuchten Flächen sind überwiegend junge Tiny Forests mit einem Alter von ein bis fünf Jahren. Die vorliegenden Erkenntnisse stellen daher erste belastbare Anhaltspunkte dar, jedoch noch keine langfristigen Aussagen über die volle Wirkung dieser Ökosysteme.

Das Forschungsprojekt läuft über insgesamt drei Jahre und wird in den kommenden zwei Jahren weitere Daten liefern, insbesondere zur Entwicklung der Wälder in späteren Sukzessionsphasen. Erst durch diese Langzeitperspektive lassen sich robuste Aussagen über Stabilität, Klimawirkung und Biodiversitätsentwicklung treffen.

Darüber hinaus bleibt weiterer Forschungsbedarf bestehen – insbesondere im Hinblick auf ältere Tiny Forests. Um das volle Potenzial dieser naturbasierten Lösung zu verstehen, müssen auch langfristige Effekte über mehrere Jahre hinweg systematisch untersucht werden.

Du willst mehr erfahren? Hier geht’s zum vollständigen Forschungsbericht 2025.